Zu Bad Boll gehören heute der ehemalige Weiler Sehningen, der Badbezirk Bad Boll und der Ortsteil Eckwälden. Der Name Boll wurde im Jahre 1155 erstmals erwähnt. Die Siedlung bestand aber vermutlich schon in karolingischer Zeit um 800. Älter ist der Ortsteil Sehningen, der bereits im späten Mittelalter zur Ortsmarkung gehörte. Und Eckwälden wurde 1933 von Zell u. A. nach Boll eingemeindet. Auf der Markung Eckwälden, nahe dem Kurhaus, wurden auf der Flur Maurenen (wie Mauer) römische Tonscherben gefunden. Dies könnte ein Hinweis auf eine Besiedlung bereits in römischer Zeit sein.
Um das Jahr 1140 stiftete eine Stauferin, Berta von Boll genannt, eine Enkelin Kaiser Heinrichs IV., die noch heute bestehende dreischiffige Pfeilerbasilika und ein Chorherrenstift. Dieses Chorherrenstift bestätigte Kaiser Friedrich I. Barbarossa 1155 mit einer Urkunde für den Bischof von Konstanz. Die heutige Kirche ist der dritte Bau an dieser Stelle und wurde dem heiligen Cyriakus geweiht. Zu Ehren der Berta heißt die Burgstelle Landsehr über Boll heute Bertaburg.
Nach dem Untergang der Staufer wurde Boll vermutlich Besitz der Herzöge von Zähringen, aus denen die Herzöge von Teck hervorgingen, zu denen Boll im 13. Jahrhundert gehörte. 1321 verkauften diese das Amt Boll und andere Besitzungen an die Grafen von Württemberg. Der Grundbesitz blieb jedoch in der Hand des Chorherrenstiftes. Seither ist Boll würrtembergisch. Im Jahre 1464 wurde das Boller Chorherrenstift aufgelöst und der Besitz dem Chorherrenstift Oberhofen in Göppingen angeschlossen.
Mitte des 16. Jahrhunderts entdeckte man im heutigen Badbezirk eine Quelle, die heilende Wirkung hatte. Herzog Friedrich I. ließ sie untersuchen. Da sie angeblich salzig schmeckte, befahl er, nach Salz graben zu lassen. Tiroler Bergleute schlugen im Jahre 1595 einen fast 62 Meter tiefen Schacht in das Gestein. Hier fanden sich "wundersame" Versteinerungen, die dem späteren Bad den Namen "Wunderbad" gaben. Salz war aber nicht vorhanden. In etwa 20 Metern Tiefe befand sich die Schwefelquelle. Sie wurde in einem gemauerten Brunnen gefasst, der noch heute in Betrieb ist.
Das Wasser ließ der Herzog seinen Leibarzt Johannes Bauhinus untersuchen. Der bestätigte die Heilwirkung. Seine Ergebnisse veröffentlichte er 1596 in Latein in seinem berühmten Buch "Ein New Badbuch und Historische Beschreibung von der wundersamen Krafft und Würkung des Wunderbrunnen und Heilsamen Bads zu Boll ...". In diesem 1602 auch auf Deutsch erschienenen Buch bildete er zahlreiche Jura-Versteinerungen ab, aber auch viele Bilder von Äpfeln und Birnen der Region. Bauhinus kann somit als Vorläufer der Paläontologie (Wissenschaft von den Lebewesen vergangener Erdzeitalter) angesehen werden und als früher Pomologe (Obstbaumkundler). Diesem Buch beigefügt war die "Boller Landtafel", die erste Karte der Region Boll.
Durch seinen Baumeister Heinrich Schickhardt ließ´der Herzog beim Brunnen ein Badgebäude errichten. Schickhardt und Bauhinus legten auch einen so genannten Lustgarten beim Bad an, ganz im Geschmack der Renaissance. Für den Schwefelbrunnen konstruierte Schickhardt ein Paternoster-Schöpfwerk und eine Heizanlage zum Erhitzen des Wassers. In der großen Badestube badeten die Gäste in abgedeckten Holzzubern, aus denen nur der Kopf herausschaute. Der Herzog hatte auch eine Badordnung erlassen, die alle Abläufe im Badbezirk regelte.
Es folgten 200 Jahre Auf und Ab des Boller Bades. 1823 ließ König Wilhelm I. das Bad erweitern. Unter Einbeziehung des Schickhardtbaus entstand die klassizistische Anlage, wie wir sie heute sehen. Der Park wurde erweitert und erneuert, die Wandelhalle, das Belvedere und eine Molkenkuranstalt gebaut.
Nach 1945 siedelten sich in Boll und Eckwälden mehrere anthroposophische Einrichtungen an. Bereits 1937 war das Heil- und Erziehungsinstitut Eckwälden in das Blumhardthaus in Eckwälden eingezogen. Hier ließen sich nach dem Krieg die WALA (Heilmittel und Kosmetik) und das Rudolph-Steiner-Seminar für Heilpädagogik nieder. Parallel dazu entstanden die Margarethe-Hauschka-Schule für Künstlerische Therapie und Massage und das Seminar für freiheitliche Ordnung.
Ebenfalls 1945 gründete sich die Evangelische Akademie Bad Boll. Sie genießt weltweites Ansehen. Viele bedeutende Persönlichkeiten Deutschlands waren hier zu Gast. Bad Boll ist heute ein moderner Kurort mit Schulzentrum, Kindergärten, Freibad, Bücherei, mehreren Tagungshotels und einem vielseitigen Angebot an Ärzten, Handwerkern und Geschäften. Seit dem 1. Juli 2007 heißt die Gesamtgemeinde Bad Boll
Eckhard Christof